Viele Geschäftsführer erleben Marketing als Black Box: viel Aktivität, viele Kampagnen, viele Meetings, aber wenig Steuerbarkeit. Während Vertrieb, Finance und Operations seit Jahren klar strukturiert und KPI-getrieben geführt werden, wirkt Marketing in vielen Unternehmen wie ein unübersichtliches Nebenprojekt, das schwer greifbar und kaum prognostizierbar ist.
Das Problem ist selten das Team.
Das Problem ist fast immer die Architektur.
Moderne Unternehmen brauchen ein Marketing, das betriebswirtschaftlich steuerbar, datenbasiert und sauber an den Vertrieb angebunden ist. Dieser Beitrag zeigt, wie eine Geschäftsführung Marketing so aufstellt, dass Transparenz entsteht, ohne sich in operative Details zu verlieren.
Das Missverständnis: „Marketing ist nicht steuerbar“
Marketing wird oft als kreativer, schlecht messbarer Bereich wahrgenommen, der schwer in klassische Führungslogiken passt. Dieses Bild stammt aus einer Zeit, in der Marketing kampagnengetrieben und medienlastig war.
Heute ist es ein datenintensiver, prozessgetriebener Teil der Wertschöpfung. Wir sind uns hierbei einig:
Die Fähigkeit, Marketing systemisch zu führen, ist einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren moderner Unternehmen.
Der Grund liegt im Zusammenspiel zwischen Nachfrage, Pipeline und Umsatz: Marketing erzeugt Nachfrage und Vertrieb monetarisiert diese Nachfrage.
Fehlt ein Steuerungsmodell, verlieren Unternehmen Effizienz, Planbarkeit und Wettbewerbsvorteile. Es muss perfekt in einander verzahnt werden.

Was eine Geschäftsführung tatsächlich steuern muss und was nicht
Viele Geschäftsführer greifen dort ein, wo sie am wenigsten Nutzen stiften: in der operativen Gestaltung, in Content-Diskussionen oder in der Detailbewertung einzelner Kampagnen. Das führt zu Zeitverlust, Mikromanagement und struktureller Ineffizienz.
Die Aufgabe einer Geschäftsführung ist eine andere:
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Richtung setzen (klare Prioritäten, Zielgruppen, Wertangebote)
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Struktur schaffen (Systeme, Rollen, Verantwortlichkeiten)
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Prozesse ermöglichen (saubere Übergaben zwischen Marketing, Sales und Operations)
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Ergebnisse bewerten (über wenige strategische KPIs)
Die operative Umsetzung gehört dagegen in die Hände der Fachbereiche. Damit diese Trennung funktioniert, braucht Marketing eine Architektur, die Transparenz herstellt.
Die drei zentralen KPIs, die jede Geschäftsführung kennen muss
Marketing kann hunderte Metriken produzieren. doch die meisten sind für die Steuerung irrelevant. Führung braucht ein reduziertes Set an Schlüsselkennzahlen, die Nachfrage, Qualität und Monetarisierung abbilden.
Nach Best Practices aus Revenue Operations, HubSpot State of Marketing und HBR:
1. Marketing Contribution to Pipeline
Wie viel qualifiziertes Umsatzpotenzial erzeugt Marketing?
Diese KPI zeigt, ob es wirklich Nachfrage schafft oder nur Aktivität erzeugt.
2. Cost per Qualified Lead (CPL-Q)
Wie effizient erzeugt das Unternehmen Nachfrage?
Eine echte Kosten-Nutzen-Relation, statt Klicks oder Impressionen.
3. Conversion Rates entlang des Funnels
Vom ersten Touchpoint bis zum Sales Accepted Lead.
Hier entstehen 80 % aller Prozessverluste.
Wenn diese drei Kennzahlen transparent sind, kann eine Geschäftsführung Marketing genauso präzise steuern wie jede andere Unternehmensfunktion.

Warum Marketing nur steuerbar ist, wenn es sauber mit dem
Vertrieb verzahnt ist
In nahezu jedem Unternehmen liegt der größte Steuerungsverlust nicht im Marketing selbst, sondern zwischen Marketing und Vertrieb. Diese Übergabe entscheidet darüber, ob Nachfrage in Umsatz übersetzt wird.
Typische Brüche:
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keine klaren Lead-Definitionen
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fehlende Rückmeldungen aus dem Vertrieb
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manuelle Übergaben statt automatisierter Prozesse
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kein gemeinsames KPI-Modell
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keine abgestimmte Zielgruppen- und Messaging-Logik
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CRM und Marketing Automation arbeiten isoliert
Forrester beispielsweise bezeichnet diese Brüche als „Silent Revenue Killers“. Sie verhindern skalierbare Nachfrageentwicklung selbst dann, wenn Marketing gut arbeitet.
Eine Geschäftsführung muss deshalb keine Marketingexpertise haben, aber die Verantwortung für die Systemarchitektur tragen, die beide Bereiche verbindet.
Die technische Grundlage: Transparenz entsteht durch Systeme, nicht Meetings
Moderne skalierbare Organisationen basieren auf einer klaren technischen Struktur:
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CRM als Single Source of Truth
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Marketing Automation für Nurturing und Lead-Scoring
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Attribution statt Bauchgefühl
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Dashboards für Funnel, Pipeline und Effizienz
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RevOps als verbindende Instanz zwischen Marketing & Sales
Gartner spricht hier vom „Unified Revenue Engine Model“:
Also Marketing + Sales + Operations teilen sich ein Datensystem, ein Prozessmodell und ein KPI-Framework.
Das reduziert Führungsaufwand, erhöht Transparenz und macht Marketing steuerbar, ohne dass der CEO operativ eingreifen muss.
Welche Rolle KI für eine steuerbare Marketingorganisation spielt
KI ersetzt keine Strategie, aber sie reduziert die operative Last dramatisch. Für Führungskräfte bedeutet das mehr Transparenz bei weniger Aufwand.
Moderne Einsatzfelder:
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automatisierte Reportings
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präziseres Lead-Scoring
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vorausschauende Funnel-Analysen
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Content-Produktion nach definierten Standards
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intelligente Nurturing-Strecken
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Echtzeit-Lernschleifen zwischen Marketing und Vertrieb
Der entscheidende Vorteil: KI verstärkt bestehende Systeme, aber sie kompensiert keine fehlenden Strukturen!
Für CEOs heißt das: Wenn KI chaotisch eingesetzt wird, steigt das Chaos.
Wenn KI in eine klare Systemarchitektur eingebettet wird, steigt hingegen die Skalierung.

Fazit: Geschäftsführung steuert Marketing durch Architektur
Marketing wird nicht dadurch steuerbar, dass Geschäftsführungen sich in operative Details einmischen oder Kampagnenbewertungen vornehmen. Steuerbarkeit entsteht durch eine klare Architektur, die Rollen, Prozesse, Daten und Verantwortlichkeiten eindeutig definiert und Marketing eng mit dem Vertrieb verzahnt. Erst wenn ein Unternehmen eine gemeinsame KPI-Logik, strukturierte Übergaben, einheitliche Datenflüsse und regelmäßige strategische Reviews etabliert hat, entsteht die Transparenz, die für eine effektive Steuerung notwendig ist. In dieser Struktur übernimmt KI repetitive Aufgaben, automatisiert Analysen und verbessert die Entscheidungsqualität – ersetzt aber nie das notwendige Fundament aus Systemen und Prozessen. Eine Geschäftsführung muss deshalb nicht Marketing machen, sondern die Architektur sichern, die ein skalierbares Marketing erst möglich macht. Sobald diese Grundlage steht, entwickelt sich Marketing von einer schwer greifbaren Black Box zu einem zuverlässigen, prognostizierbaren Wachstumsmotor.
Wichtigste Learnings:
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Marketing wird durch Architektur, nicht durch operative Einmischung steuerbar.
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Geschäftsführungen brauchen wenige, strategisch relevante KPIs, keine Detailmetriken.
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Die größten Wachstumsverluste entstehen zwischen Marketing und Vertrieb, nicht innerhalb der Teams.
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Ein skalierbares Marketing erfordert saubere Übergaben, definierte Rollen und klare Verantwortlichkeiten.
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CRM, Marketing Automation und Attribution müssen integriert sein, um Transparenz zu schaffen.
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Revenue Operations wird zur verbindenden Instanz zwischen Marketing, Vertrieb und Operations.
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KI erhöht die Effizienz und Präzision, funktioniert aber nur innerhalb einer bestehenden Struktur.
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Reguläre strategische Review-Zyklen sind wichtiger als operative Abstimmungen.
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Sobald die Architektur steht, wird Marketing planbar, messbar und skalierbar – statt unberechenbar und reaktiv.